Bildjournalismus und Fotografie

 

Bildjournalist und oder Fotograf


Ob Begegnungen auf der Straße oder in Gesprächen mit Auftraggebern und Kunden taucht immer wieder die Frage auf: „was unterscheidet Bildjournalisten von Fotografen, wen soll ich buchen?“

Im Grunde nicht viel, denn am Ende des Workflow steht bei beiden Vertretern ein gutes Bild. Ob das Ergebnis jedoch identisch wäre, wenn man beiden Bildermachern eine gleiche Aufgabenstellung offeriert, wäre mal eine interessante Fragestellung.


Abgesehen von individuellen Prägung eines Bildermachers kann man davon ausgehen, dass man Fotografem eher im Foto-Studio antrifft als Bildjournalisten. Während Bildjournalisten die „Straße“ als ihr vornehmliches Arbeitsfeld begreifen. Aber natürlich gibt es Fotografen die Reportage- und Streetfotografie anbieten und außerordentlich gut beherrschen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass der eine oder andere Bildjournalist ein Fable für die Still-Life-Fotografie entwickelt hat. Immerhin sind die technischen Abläufe nahezu identisch.


Wo liegen also die Unterschiede? Im Grunde muss die Definition beider Bereiche der Fotografie jeder Akteur für sich selber entscheiden. Aus meiner Arbeitsweise ergeben sich für mich einige Arbeits- und Verhaltensregeln, die mein Bild eines guten Bildjournalisten abrunden und sich so vielleicht von der Eigendefinition eines Fotografen unterscheiden. Hier einige Details in der Arbeitsweise, die eine Tendenz in der Ausrichtung aufzeigen, aber keine ausschließlichen Kriterien sind.


Bildjournalisten arbeiten situativ. Ein Bildjournalist würde nur im äußersten Notfall ein Bild stellen. Seine Stärke ist die Beobachtung der Szenerie und das Warten auf den richtigen Moment. Intuitives Handeln und die Dokumentation steht im Vordergrund. Dafür bekommt der Kunde authentisches Material, dass aber immer auch der individuellen Bildsprache entspricht. Viele Bildjournalisten haben einen eigenen Stil entwickelt, damit haben ihre Bilder einen hohen Wiedererkennungswert. Technische Aufnahmedetails stehen dabei immer im Schatten des Bildinhalts. Ist das Bild aussagestark kann verschmerzt werden, dass der Bildhorizont auch mal quer durch das Foto verläuft.


Der Fotograf sieht die Dinge vielleicht etwas anders. Bilder zu stellen, gehört zu seinem Tagesgeschäft und natürlich wurden vorher alle technischen Details geregelt. Daher kann man sicherlich festhalten, dass der Fotograf ein weiteres Aufgabenfeld anbieten kann, während man dem Bildjournalisten eher die Rolle eines Spezialisten zuordnet.


Der gute Bildjournalist steht für Streetfotografie, Reportage und Dokumentation. Wobei seine Bilderstrecke immer im Kontext zur inhaltlichen Geschichte oder einem Thema steht. Daher wird man Veröffentlichungen eines Bildjournalisten kaum ohne Text und Bilderläuterung finden. Während Bilder eines Fotografen lediglich durch ihren visuelle Eindruck überzeugen können.


Meine These: Würde einem Bildjournalisten und einem Fotografen eine identische Aufgabenstellung vorgegeben werden bei der Menschen im Mittelpunkt stehen, würde der Fotograf eher zum Teleobjektiv greifen als der Bildjournalist, der die Nähe zum Motiv sucht.

 

 
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